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IM ARCHIV


Hier findet ihr weitere Zeitungsberichte...

 

Wiesbadener Kurier, 28. Januar 2002
"Ansteckende" Gospels aus dem Kongo
Workshop in der Kirche: 100 Sänger intonierten fröhliche Glaubensbekenntnisse Von Kurier-Mitarbeiterin Christina Oxfort


Beppo muss sich nicht sonderlich anstrengen. Er unterbricht sein Spiel auf der Gitarre, hebt leicht die rechte Hand - und schon halten die rund 100 Wiesbadener, die sich in der katholischen Kirche Heilige Familie zum Gospel-Workshop zusammen gefunden haben, in ihren Stimmübungen inne und blicken erwartungsvoll in das von weißen Locken umrahmte Gesicht des "Meisters". Beppo Theis, Sänger mit klassischer Ausbildung, versteht es, die Gospel-Freunde in seinen Bann zu ziehen. Unterstützt von Ehefrau Gisela, die von Stimmlage zu Stimmlage eilt und das Lied mit ihren Händen "erklärt", vermittelt er den Hobby-Sängerinnen und -Sängern der verschiedensten Altersstufen afrikanisches Liedgut. Spielerisch lernt der Chor die notwenigen afrikanischen Worte und gibt nur wenige Minuten später die überwiegend zuversichtlichen und fröhlichen Glaubensbekenntnisse mehrstimmig wieder. Der knapp achtstündigen Probe am Samstag folgte während des sonntäglichen Gottesdienstes die Premiere vor Publikum, das sich von den rhythmischen Klängen begeistert zeigte und zum Mitmachen animieren ließ. Es sei erstaunlich, welche Kreise der Gospel-Workshop gezogen habe, resümiert Andreas Börner, der das Treffen in der Pfarrgemeinde organisatorisch mit unterstützt hat. Vor fünf Jahren, als das gemeinsame Singen erstmals angeboten wurde, kamen nur rund 20 Sänger zusammen - viel zu wenig für einen dank seiner Stimmgewalt eindrucksvollen Gospel-Chor. Unter den inzwischen rund 100 Teilnehmern, die für den Workshop 25 Euro bezahlten, sind etliche, die dem Gesang in der Kirche seit einigen Jahren die Treue halten. Der Wiesbadener Raum sein ein "besonders singfreudiges Gebiet", sagt Gisela, die gemeinsam mit Beppo vom heimatlichen Bremen aus an vielen Wochenenden in Sachen Gospel quer durch Deutschland reist. Gesungen wird ohne Noten. Die afrikanischen Liedertexte, mitunter auch auf Deutsch angestimmt, prangen auf Pappschildern für jeden gut lesbar an einem übergroßen Notenständer. Die Botschaften - etwa "Was du nicht willst, das man dir tu, das füge auch keinem andern zu" - sind einfach und verdanken viel von ihrer Zugänglichkeit den sich kaum zu entziehenden Rhythmen. Beppo ist großzügig, er lässt den Frauen und Männern ihren gesanglichen Spaß. Doch wenn die Worte, die das Paar unter anderem von Reisen aus dem Kongo mitgebracht hat, gar zu falsch betont werden, wird's Zeit für die erhobene Hand. "Ihr müsst die Silben schärfer trennen", bittet er, lässt die Gitarre schweigen und verdeutlich sein Anliegen, indem er vorsingt. Mit ausdrucksstarker Stimme, der ein kleines Kopfmikrofon zusätzliches Volumen gibt. Der Chor hat verstanden. Die junge Frau, die mit ihrem Baby auf dem Arm voller Inbrunst mitsingt und sich zur Freude des Säuglings zum Rhythmus der Musik bewegt, setzt Beppos Anweisungen ebenso um wie die an einen Rollstuhl gefesselte Sängerin. Das Ergebnis ist hörenswert. Beppo dankt's mit Applaus, in den schließlich der gesamte Chor einfällt. Dass die 100 Sängerinnen und Sänger noch lange von ihrer Aufführung zehren können, dafür wird eine während des Gottesdienstes mitgeschnittene Aufzeichnung sorgen. Die Darbietungen des Hobby-Chores werden auf CD gebrannt und mit den Liedtexten versehen, womit sich das vereinzelte hektische Mitschreiben während der Probe als völlig überflüssig erwies.

beim Workshop in Wiesbaden


Die Glocke . Zeitung für Gütersloh.
Gospelworkshop in der Michaelis-Schule in Gütersloh


Bei dieser Musik tauen auch ängstliche Kinder auf "Halleluja" schallte es am Freitag aus der Michaelis-Schule. Der Bremer Gospelsänger Ya' Beppo animierte 200 geistig behinderte Kinder in der Aula zum Mitsingen. Mit Gitarre und Trommel präsentierte er die afrikanische Version der religiösen Lieder. "Die einfachsten Harmonien sind oftmals die schönsten", schwärmte Ya Beppo, dessen Künstlername soviel wie großer Bruder bedeutet. Einmal pro Jahr fährt er nach Afrika und holt sich vor Ort neue Anregungen. "Ich inhaliere diese Musik und übersetze sie für europäische Ohren", sagt der Sänger mit den krausen Haaren. Das pure afrikanische Liedgut könne man sowieso nicht originalgetreu wiedergeben. Außerdem klängen die Lieder auch jedes Mal anders. Der afrikanische Gospel ist zudem viel rhythmischer als der amerikanische, erklärt Sänger Beppo seine Passion. "Die Kinder sollen Spaß haben und sich zur Musik bewegen", wünscht sich Lehrerin Resi Berger. Und ihr Plan geht tatsächlich auf. Die Kinder drehen sich um sich selbst, tanzen miteinander, laufen durch den Saal und klatschen eifrig mit. Dichtgedrängt scharen sie sich um Beppo, der auch schon in anderen Schulen und auf den Kirchentagen aufgetreten ist. "Singt mir einfach alles nach", ermutigt Beppo die Kinder. Zweisilbige Worte wie "Hallo" oder "Mama" eignen sich für seine Musik am besten. "Das sind eingängige Lieder mit einfachen Texten. Die sprechen einfach an", sagt Berger. Selbst ängstliche Kinder tauen auf und gehen mit dem Rhythmus. Eine derartige Mitmach-Aktion sei viel attraktiver als ein Konzert, bei dem man still sitzen und nur zuhören müsse, meint Berger. Mit Beppo hingegen veranstalten die Kinder eine große Polonaise, springen in die Luft und machen wilde Bewegungen mit den Armen. Die Musik kommt bei Beppo aus dem Bauch, schließlich spielen die Afrikaner ihre Gospels auch nicht vom Notenblatt ab. "Sie brauchen auch keine Orgel und trotzdem ist da ein unglaublicher Klang in den Gospels", erinnert sich Beppo. Und das geht ganz einfach. Einer fängt an, mit dem Fuß einen Rhythmus zu tippen, die anderen lassen sich dazu etwas einfallen und schließlich entsteht in dem Durcheinander eine Harmonie. Beppo ist bereits zum zweiten Mal in der Michaelis-Schule. Eingeladen hat ihn Pastor Andreas Westerbarkei, der am Sonntag um 10 Uhr einen Gospelgottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche veranstaltet. Damit will er zeigen, dass man Kirche lebendig gestalten kann, ohne dass bei der Predigt jemand einnickt.


Frankfurter Rundschau - Main-Taunus-Kreis - 8. März 1999
"Jambo buana - hallo Nachbar, wie geht's?" 40 Frauen und Männer sangen afrikanische Gospels in der Kelkheimer Paulusgemeinde / zweitägiger Workshop - von Regine Ebert


Eine ganz andere Art der Kirchenmusik übten Besucher der evangelischen Paulusgemeinde am Wochenende ein. Unter Anleitung des Bremer Sängers Beppo Theis erklangen zwei Tage lang afrikanische Gospels im Kelkheimer Gotteshaus. Gospels zu hören, ist eine Sache. "Aber sie selbst zu singen, mitzumachen, sich dazu zu bewegen, eine ganz andere", sagt Beppo Theis, Sänger und Maler aus Heiligenrode bei Bremen. Dennoch hat er es am Wochenende geschafft, ungefähr 40 Frauen, Männer und Kinder mit seiner Begeisterung für diese Musik anzustecken. Die evangelische Paulusgemeinde hatte ihn und seine Frau Gisela Gustavus für einen zweitägigen Workshop engagiert, bei dem afrikanische Gospels und Spirituals im Mittelpunkt standen. "Jambo, jambo buana - halle Nachbar, wie geht's im Leben?" beginnt eines der Lieder, das aus dem Kongo stammt. Beppo Theis spricht die afrikanischen Worte vor, beginnt zu singen. Schon nach kurzer Zeit stimmen die ersten ein. Die Melodien sind einfach, die Silbenfolgen zwar unbekannt, aber doch recht einprägsam. Während er die Gruppe auf der Gitarre begleitet, zeigt seine Frau mit der Hand die Tonhöhen an, gibt hier und da Hilfestellung auf dem für die meisten Workshop-Teilnehmer unbekannten Gebiet. Einfache Rhythmen und vor allem lange und häufige Wiederholungen kennzeichnen die afrikanischen Gospels - Wiederholungen, die ein meditatives Element in sich tragen. "Diese Musik ist nicht so verkopft", sagt Gisela Gustavus, "man nähert sich dem Glauben auf der Gefühlsebene". Da kann ein Lied leicht 15 oder 20 Minuten dauern, kann zum ausgedehnten Frage- und Antwortspiel mit den immergleichen Sätzen werden. So lange, bis die Bedeutung des Textes erfaßt und verinnerlicht ist. Notenblätter gibt es für diese Lieder nicht, sie werden in ihren Herkunftsländern durch gemeinsames Singen weitergegeben. Genauso machen es die beiden Chorleiter am Wochenende in der Paulusgemeinde. Einige der einstudierten Lieder trägt die Gruppe dann im Sonntagsgottesdienst vor. "Das ist ganz anders als unsere Kirchenmusik", sagt Elke Gregori-Becker, eine Teilnehmerin des Workshops, "nicht so getragen, sondern eher fröhlich, und man kann sich dabei bewegen". Während bei einigen gleich der ganze Körper mitschwingt, bewegen sich andere eher verhalten von einem Fuß auf den anderen. "Es ist bei uns eben noch ungewöhnlich, im Gottesdienst zu klatschen oder mit den Fingern zu schnipsen", sagt Gisela Gustavus, "ganz im Gegensatz zu einigen anderen Ländern". Die meisten Lieder, die das Ehepaar mitgebracht hat, stammen aus dem Kongo. "Alles fing damit an, daß in unserem Ort ein Asylbewerberheim eröffnet wurde", erzählt Gisela Gustavus. Von den Bewohnern ließen sich die beiden deren Musik beibringen, schließlich reisten sie selbst nach Kinshasa. Dort trafen sie eine Gruppe von Jugendlichen, die in einer Garage probten. Mit ihnen nahmen die Eheleute eine Cassette auf, die sie jetzt in Deutschland vertreiben und deren Erlös wiederum nach Afrika geht. Auch bei ihren Workshops in Deutschland versuchen die beiden immer wieder, Asylsuchende aus Afrika einzubeziehen. In der Paulusgemeinde übte die Gruppe auch englischsprachige Gospels ein. Unter Anleitung des Chorleiters verändern sich Tempo und Lautstärke, wechselt die Stimmung von Zurückhaltung bis zu ausgelassener Freude. Beppo Theis ist ganz bei der Sache, seine Konzentration läßt keinen Moment nach. "Ein Lied zu singen, ist wie in einen Fluß zu springen, in dem Krokodile schwimmen", bringt er einen ungewöhnlichen Vergleich. "Die Spannung ist vom ersten Moment an da, und sie hält so lange an, bis man das andere Ufer erreicht hat - bis das Lied zu Ende ist."


Bistumszeitung von Limburg v. Febr. 1999
Gospel-Workshop in Wiesbadens Heiliger Familie


Sogar aus Mannheim angereist
Die Anfrage klang nach Abwechslung: Haben Sie nicht Lust, über ein Gospel-Wochenende in der Gemeinde Heilige Familie zu berichten? Warum eigentlich nicht. Der Samstag ist noch nicht verplant und ein mozartmessenerprobtes ehemaliges Kirchenchormitglied kann durchaus eine neue Musikerfahrung vertragen. Erst noch forschen Schrittes betrete ich dann doch etwas zögerlich die Kirche, die einen Tag lang zur "Singwerkstatt" wird. Die Begrüßung ist herzlich, "Der Sonntag" willkommen. "Am besten mitmachen", ist die freundliche Aufforderung. Rund 40 Interessierte sind der Einladung gefolgt, unter Leitung von Beppo Theis Gospels aus Afrika und Amerika zu singen. Eine bunt gemischte Gruppe hat sich eingefunden: vom Kind bis zur 78-jährigen Großmutter, Mann und Frau, mit und ohne Chorerfahrung, katholisch und evangelisch, auf der Suche nach neuen kirchenmusikalischen Klängen, die daheim im Kirchenchor nicht auf offene Ohren treffen. Und auch die Anreise aus Niedernhausen oder Mannheim wurde nicht gescheut. und dann sind welche gekommen, die schon ein- oder mehrmals so einen Workshop mitgemacht haben. Ein paar Stimm- und Lockerungsübungen, und schon geht es los. Beppo reißt die Gruppe mit, und die mitteleuropäische Schwerfälligkeit weicht rasch, bei den Erfahrenen noch rascher. Nach kurzer Zeit wird unser Gesang von ersten, zaghaften rhythmischen Körperbewegungen begleitet und unterstützt. Es könnte noch intensiver, noch schwungvoller sein, meint Beppo, aber das kommt noch. Etwas schwerer tun wir uns mit der ungewohnten Sprache der afrikanischen Gospels. Da hilft nur: noch mal und noch mal, bis es klappt. Unterstützt wird der Leiter und Vorsänger Beppo von Gisela Gustavus. Sie hilft den Frauenstimmen, korrigiert mal das Tempo, gibt Tipps und prüft, wie die gestalterischen Einfälle des Künstlers im Raum der Kirche wirken, wenn am Sonntag als krönender Abschluß mit der Gemeinde gesungen wird. Beppo Theis, groß, schlank, eher schlaksig, mit weißen Haaren, in Jeans und Ringel-T-Shirt, hat eine klassische Gesangsausbildung absolviert. Um den Sängerberuf auszuüben, sei er jedoch zu alt, mußte er erfahren. Der frühere Bundesbahnbeamte, der erst nach schwerer Krankheit "in seinem zweiten Leben", wie er es nennt, mit dem Musikstudium begann, singt nun eben nicht für, sondern mit anderen. Ein eigener Chor kommt für ihn zur Zeit aber nicht in Frage. Er möchte mit möglichst vielen unterschiedlichen Menschen zusammenkommen und ihnen die Freude am gemeinsamen Singen nahebringen. Und so ist er in ganz Deutschland, in Bildungsstätten, Klöstern, Kirchengemeinden und auch Schulen unterwegs. Da nehmen dann auch mal solche an einem Kurs teil, die sonst um Kirche und Gottesdienst einen großen Bogen machen, dann aber trotzdem zum Schluß einen Gottesdienst mitgestalten und mitfeiern, erzählt der Katholik Beppo aus der norddeutschen Diaspora. Durch Flüchtlinge aus dem Kongo hat Beppo die afrikanischen Gospels kennengelernt. Über diese Musik versuchten er und Gisela Gustavus, ein gegenseitiges Kennenlernen der Flüchtlinge und der deutschen Bevölkerung in ihrem Heimatort zu erreichen. Und als die beiden sich aufmachten, den Kongo zu besuchen, erlebten sie auch dort die verbindende Wirkung der Musik. Und die Verbindung besteht für sie weiter. Mit ihrer Aktion "Brot für die Sänger" unterstützen sie einen Chor in Kinshasa, damit die Sänger wenigstens zu den Chorproben und am Sonntag nach der Messe Brot zum Leben haben. In der "Heiligen Familie" war Beppo bereits 1998, als er mit einer Jahrgangsstufe der Helene-Lange-Schule afrikanische und amerikanische Gospels einstudierte und im Rahmen der Aktion "Afrika, Begegnung mit Kunst und Kultur" im hessischen Landtag auftrat. Die Resonanz in der Gemeinde auf den ersten Workshop war so gut, daß gleich dieses zweite Wochenende festgelegt wurde. Und es soll nicht das letzte gewesen sein, wie zu erfahren war.


Kirche vor Ort - Kirchenzeitung des Bistum Osnabrück v. 28. 6. 1998
von Anja Todt


Auf den Stühlen hält es niemanden Gospelworkshop mit Beppo und Gisela . "Akuna matata" endete einer der Songs, die das Künstlerehepaar Beppo und Gisela während eines Gospel-Workshops im Haus Ohrbeck vorstellte. Akuna matata? Einige Teilnehmer bemerkten überrascht, daß sie diese Wörter aus der Kisuaheli-Sprache schon einmal gehört hatten - im Disney-Film "Der König der Löwen". "Keine Sorgen" bedeuten sie. Als Motto dieses Workshops sind sie ebenso geeignet wie der Satz davor, der übersetzt "Mit Jesus geht es mir prima" lautet. Ein Wochenende lang sind über 50 Menschen - von der 18-jährigen Schülerin bis zum Rentner - in Haus Ohrbeck zusammengekommen, um miteinander Gospels zu singen. Temperamentvoll stampft Beppo Theis zum Takt der Songs durch den Vortragssaal, während er den Gesang mit der Gitarre begleitet: seine Frau dirigiert den Chor mit wogenden Armbewegungen. Wort für Wort wiederholt der Chor den Text und läßt sich von der Ausgelassenheit des Ehepaares anstecken. Auf den Stühlen hält es niemanden, alle wiegen im Takt hin und her und klatschen in die Hände. "Gospels werden nicht einfach gesungen, sie werden mit dem ganzen Körper erlebt", betont Bruder Andreas Westerbarkeit, der für das Haus Ohrbeck den Workshop leitet. Ester Angelina Cassoma (36) aus Angola, die seit 15 Jahren in Deutschland lebt, beobachtet die Ausgelassenheit der Teilnehmer allerdings mit einem nachsichtigen Schmunzeln: Die Weißen bewegen sich, als ob sie Eisen verschluckt hätten", behauptet sie. In Angola ist sie mit Gospels aufgewachsen, und auch in Deutschland ist der Gesang sehr wichtig für sie - nicht nur, weil er Erinnerungen weckt: Beim Singen, erzählt Angelina Cassoma, könne sie Freunde kennenlernen und "die Probleme auf den Müll werfen". Das Ehepaar Theis hat sie über eine Bekannte kennengelernt. Zusammen mit Pascal Buse aus dem Kongo, Emmanuel Kiemumbono aus Angola, Mike Adenrele aus Nigeria und dem "einheimischen" Ansgar Foppe bildet sie die "Begleitband" des Gospelchores, die den Gesang mit Gitarre, Konga-Trommeln und Perkussions-Instrumenten begleitet. Gisela und Beppo Theis arbeiten häufig mit Menschen aus den Ursprungsländern der Songs zusammen, die sie auf der Straße oder in der S-Bahn getroffen haben. Für die Afrikaner, meistens Asylbewerber, sei das eine interessante Erfahrung, glaubt Gisela Theis. "Sie sind plötzlich in der Rolle des Lehrers und können sich über unsere Versuche, ihre Sprache zu sprechen, amüsieren". Beppo und Gisela Theis haben zuerst vor allem amerikanische Gospels gesungen, die ihnen mit der Zeit aber zu "gekonnt und angepaßt" vorkamen. "Die afrikanischen Gospelgesänge sind einfach noch emotionaler", behauptet Beppo Theis. Für den ehemaligen Bundesbahnbeamten ist der Gospelgesang eine Form des Gebetes. Es gehe darum, Fröhlichkeit im Glauben zu finden und weiterzugeben. "Man muß schon hinter den Texten stehen", betont er. Während des Workshops wird aber nicht nur gesungen, die Teilnehmer lernen auch Elemente der afrikanischen Kultur kennen. Für Bruder Andreas sind die Gospels "ein Boot für die Liturgie", eine Hilfe, den Glauben zu erfahren. "Als Franziskaner ist es mir wichtig, über den Tellerrand zu blicken. Die Freude am Glauben bricht bei uns in Deutschland leider seltener durch als das Schwere und Gedrückte", sagt er. Die gelöste Stimmung während des Workshops begeistert auch die übrigen Teilnehmer. Ulrike Uthmann (30) aus Bad Iburg ist zum Beispiel überrascht, daß "das Gute so nahe liegt". Die Pausen zwischen dem Gesang benötigt sie, um "aus der Euphorie heraus wieder ein wenig zur Ruhe zu kommen". Chorerfahrung hatte sie bisher nicht - kein Problem. "Hier sagt keiner: Hey, du hast den Ton nicht richtig getroffen", unterstreicht Bruder Andreas. Im Gegenteil: Gisela hat die Erfahrung gemacht, daß die Gemeinden "gerade vom Unperfekten" der Gospelgesänge gerührt seien. "Jeder Mensch, der sprechen kann, kann auch singen", ist sie überzeugt.


Brandenburger Zeitung v. 22. 9. 1997 - Pritzerbe im Gospelfieber
Ein Gottesdienst der Lebensfreude


Im Film "Sister act" bringt Whoppi Goldberg Nonnen zum fröhlichen Singen. Aus der besinnlichen Kirchenveranstaltung wird eine Gospel-Party, bei der die Zuhörer begeistert tanzen und mitsingen. Ein ähnliches Erfolgserlebnis hatten 70 Besucher am Sonntag vormittag in der Pritzerber Kirche. Das Gospelfieber und die damit verbundene Lebensfreude nach Pritzerbe brachten Gisela Gustavus und Beppo Theis. Sonnabend reisten sie an und probten mit 30 Interessierten aus Pritzerbe und Umgebung in afrikanischer, englischer und deutscher Sprache. Selbst Pfarrer Henning Hintzsche, der zwischen den Songs immer wieder kleine Episoden über Gott und die Pritzerber erzählte, machte begeistert mit: "Die Texte sind einfach und verständlich, die Melodie mitreißend. Die afrikanischen Lieder prägten sich am besten ein". Die Lieder wurden Sonntag vormittag in der 1783 erbauten Barockkirche zum Gottesdienst aufgeführt. Von der Kälte in der mit Kerzen beleuchteten Kirche merkte niemand etwas. Zu sehr zog Gospel-Gesang die Zuhörer in den Bann. Egal, ob Kleinkind, Jugendlicher, mitvierziger oder Rentner. Da wurde zwischen den Bänken getanzt, geklatscht, gelacht und mitgesungen. Beppo Theis suchte, Gitarre spielend, immer Kontakt zu den Besuchern. Es schien, als wollte er seine "Sonnenschein-Stimmung" in die Herzen anderer übertragen. Die Texte konnten von großen Schautafeln abgelesen werden. Und wer glaubte, er würde mit seiner vielleicht etwas quakenden Stimme stören, den ermunterte Pfarrer Hintzsche mit den Worten: "Es gibt keine unmusikalischen Menschen, es gibt nur welche, die ungeübt sind. Diese Veranstaltung ist ein idealer Einstieg in die Musik. Wer mitsang, bereute es ganz sicher nicht. "Meine Alltagsprobleme verflogen schnell. Ich bekam durch das Singen eine Lebensfreude, die sicher noch lange anhält", erzählt Bettina Kaiser aus Seelensdorf, die bereits Sonnabend an den Proben teilnahm. Sie und andere Pritzerber hoffen: Wäre schön, wenn die Bremer nächstes Jahr wieder kämen. Für Beppo Theis ist Gospel zum Lebensinhalt geworden. Durch Singen, so glaubt er, habe er vor sechs Jahren seine schwere Krankheit überwunden. Einen Teil seines Repertoires lernte er bei Schwarzafrikanern. Schließlich waren es Schwarze, die Gospels erfanden, um im gemeinsamen Singen sich das Leid von der Seele zu singen und um für ein besseres Leben Hoffnung zu schöpfen.

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